Ich denke, so ziemlich alle Reisenden und Menschen, die regelmäßig Zeit ind Dänemark verbringen, kennen den Ausdruck „Hygge“. Eine deutsche Entsprechung gibt es im Deutschen nicht, denn Hygge geht weit über die deutsche Gemütlichkeit hinaus – es ist ein Lebensgefühl.
Hygge – zwei persönliche Beispiele

Ich war im Sommer in Dänemark und habe da zwei Situationen erlebt, bei denen ich an den Begriff „Hygge“ denken musste. In beiden Fällen war es dieses Lebensgefühl, das durch das Wort Hygge transportiert wird. Beide Beispiele habe ich hier durch Bilder festgehalten.
Hygge im Genbrug
An einem Tag bin ich eine Landstraße entlang gefahren und sah auf einmal einen sehr kleinen Second-Hand-Laden. Weit und breit nichts weiter, bis auf diesen Laden. Es regnete ziemlich doll, aber der Laden sah schon von außen so gemütlich aus, dass ich kurzerhand anhielt und hineinging.
Ich war die einzige Kundin und wurde direkt von einer sehr wohligen Wärme empfangen. Der Laden war sehr klein, aber gut sortiert. Im ganzen Raum duftete es nach frisch gekochtem Kaffee. Hinter dem hohen Holztresen saßen vier ältere Damen zusammen, sie tranken Kaffee, aßen Kuchen und unterhielten sich angeregt. Eine der Frauen stand kurz auf, meinte, ich solle mich einfach in Ruhe umsehen, und setzte sich dann wieder zu den anderen. Es war so gemütlich in diesem kleinen Laden, dass ich gar nicht mehr gehen wollte. Schließlich hatte ich ein Buch gefunden, bezahlte und wir unterhielten uns noch ein bisschen, während es draußen in Strömen regnete. Dieses Gefühl, was dort entstand: Hygge pur.
Hygge im Buchladen

Einige Tage später war ich in einer Kleinstadt in Südjütland unterwegs und kam an einem kleinen Buchantiquariat vorbei. Da ich auf der Suche nach einem bestimmten Buch war, ging ich hinein. In dem kleinen Raum stapelten sich die Bücher bis unter die Decke, handschriftlich geschriebene Zettel unterteilten die Bücher alphabetisch. Die Gänge zwischen den Regalen waren so schmal, dass nur eine Person durchgehen konnte.
An einem kleinen Tisch unter dem einzigen Fenster saßen zwei ältere Herren und unterhielten sich so angeregt, dass sie mich zunächst nicht bemerkten. Ich machte mich also erstmal allein auf die Suche. Schließlich wurde ich bemerkt und als ich sagte, was ich suchte, verfiel einer der beiden Herren in regelrechte Euphorie. Er schnappte sich einen Hocker und lief vor mir her, absolut zielstrebig durch die engen Gänge. Vor dem vermeintlich richtigen Regal ließ er sich auf den Hocker fallen und während er suchte, unterhielten wir uns angeregt über unseren Lieblingsautor (es stellte sich heraus, dass wir denselben Lieblingsautor hatten). Das Buch fanden wir zwar nicht, dafür hatten wir aber ein sehr nettes und lustiges Gespräch. Zum Abschied schüttelte man mir noch die Hand und lud mich ein, bei meinem nächsten Besuch wieder vorbeizukommen – so viel Hygge auf so kleinem Raum.
Hygge – so viel mehr als nur ein Wort
In beiden Fällen dachte ich hinterher, dass ich solche Begegnungen ausschließlich in Dänemark habe und dass auch diese Erlebnisse für mich Hygge sind. Hygge – für mich ein absolutes Lebensgefühl.
Ihr wollt noch mehr über Hygge wissen? Super, bei mir gibt es sogar einen regelmäßigen Hygge-Snak für meine Lernenden. Klingt gut? Dann nehmt gerne Kontakt mit mir auf, ich freue mich, von euch zu hören!