
In meinen Dänischkursen stelle ich immer wieder fest, dass die Art und Weise, wie wir Höflichkeit zum Ausdruck bringen, sich auf Deutsch und Dänisch unterscheidet. Insbesondere der Ausdruck „Tak for sidst“ sorgt bei meinen Lernenden sowohl für Begeisterung als auch für Irritation. Doch was hat es damit auf sich?
Tak for sidst – geht eigentlich immer
„Tak for sidst“ heißt übersetzt so viel wie: „Danke für das letzte Mal“. Nur was wird damit eigentlich zum Ausdruck gebracht? Wenn zum Beispiel eine kleine Gruppe am Abend gemeinsam gegessen hat und sich zwei dieser Personen am nächsten Tag wiedersehen, dann ist es üblich, „Tak for sidst“ zu sagen. Damit wird die Wertschätzung für die gemeinsame Zeit zum Ausdruck gebracht. Das passiert auch, wenn sich die Personen erst einige Zeit später wiedersehen.
Generell wird sich in Dänemark gerne und viel bedankt. Dafür gibt es Redewendungen wie zum Beispiel:
Tak for sidst – Danke für das letzte Mal.
Tak for i dag – Danke für heute.
Tak for mad – Danke für das Essen.
Tak for hjælpen – Danke für die Hilfe.
Selv tak – Gern geschehen.
Besonders interessant an diesen Beispielen ist, dass sich in Dänemark nicht „Guten Appetit“ gewünscht wird. Stattdessen wird sich am Ende des Essens mit „Tak for mad“ bedankt. Auf diese Art der Höflichkeit wird großer Wert gelegt und das Gute daran ist: Die Begriffe sind leicht zu lernen und noch leichter anzuwenden.
Du und Sie kein Ausdruck von Höflichkeit
Ganz anders verhält es sich mit einem Phänomen, das wir vor allem aus der deutschen Sprache kennen: Wenn wir jemanden nicht kennen, uns fremden Menschen vorstellen oder in geschäftlichen Zusammenhängen miteinander reden, nutzen wir meistens das förmliche „Sie“. In Dänemark gibt es diese Form auch, sie wird allerdings fast nie genutzt.
Dies führt in meinen Kursen gerne zu Verwirrung, denn es gibt deutsche Lehrbücher für Dänisch, in denen die Personen sich in Dialogen siezen. Hier erkläre ich dann gerne, dass die Bücher für den deutschen Markt ausgelegt sind und dabei leider manchmal vergessen wird, dass das förmliche „Sie“ in Dänemark im Alltag nicht zum Einsatz kommt.
Ob beim Einkauf, beim Gespräch mit Fremden oder auch im beruflichen Kontext: In Dänemark sagen wir „Du“ zueinander. Dabei hat das nichts mit mangelndem Respekt zu tun, sondern ist ganz normal. Das förmliche „Sie“ hat dort also gar nichts mit Höflichkeit zu tun, sondern wird einfach nicht genutzt.
Kleine kulturelle Unterschiede
Hierbei handelt es sich also um kleine kulturelle Unterschiede, die uns vor allem auffallen, wenn wir anfangen, eine Sprache zu lernen. Anfangs mag es noch befremdlich sein, sich immer zu duzen und viel zu bedanken; irgendwann fällt es aber gar nicht mehr auf. In meinen Dänischkursen duze ich von Anfang an – also ab der ersten E-Mail. Dann fällt es meinen Lernenden viel leichter, mit dem „Du“ umzugehen und irgendwann findet es niemand mehr komisch.
Du möchtest mehr über diese kleinen kulturellen Unterschiede erfahren oder hast Fragen zu meinen verschiedenen Kursformaten? Dann nimm gerne Kontakt mit mir auf, ich freue mich, von dir zu hören!